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Arbeitgebermarke: Best Practices für kleine Unternehmen

7. November 2019 / Arbeitgebermarke

Krasse Stellenanzeigen, mega lässige Vorstellungsgespräche oder kumpelhaftes Gehabe zwischen Chef und Mitarbeitern – Unternehmen lassen sich heute so einiges einfallen, um Arbeitskräfte von sich zu überzeugen. Was nach außen nach viel hui aussieht, ist in den meisten Fällen jedoch eher pfui. Denn die tollsten Versprechen nutzen nichts, wenn keine starke Arbeitgebermarke dahinter steckt. Warum das so ist, was es für den Aufbau einer echten Arbeitgebermarke braucht und wieso auch kleine Unternehmen echte Mitarbeitermagneten sein können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Arbeitgebermarke

Wie die Motten in das Licht…

…fliegen Arbeitskräfte am liebsten zu den Unternehmen, die am hellsten leuchten. Sprich: die ordentlich Strahlkraft haben. Sie finden, Strahlkraft ist nur etwas für große Konzerne, für die Big Player unserer Geschäftswelt? Äh, nein – wohl eher nicht. Wie hoch die Strahlkraft eines Unternehmens ist, hängt nämlich von der Arbeitgebermarke und damit auch von der Kultur ab, die ein Betrieb lebt. Und die steht in keinem Zusammenhang mit seiner Größe.

„Strahlkraft bedeutet, anders zu sein als andere.“

Was macht also eine starke Arbeitgebermarke aus? Im Grunde ist es ganz easy: Hinter dem Begriff Arbeitgebermarke versteckt sich das Konzept eines Unternehmens, sich selbst als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Dafür nutzt es entsprechende Maßnahmen mit der Absicht, Mitarbeiter zu gewinnen und im Idealfall langfristig zu halten. Notwendige Voraussetzung dafür ist, dass sich alle an einem Unternehmen Beteiligten voll und ganz mit dem Betrieb sowie seinen gelebten Werten identifizieren.

So zeigen Sie sich als starke Arbeitgebermarke

Apropos gelebte Werte – eine Arbeitgebermarke ist nur so stark, wie die Werte, die dahinter stehen. Damit wirklich alle zu 100 Prozent die Unternehmenswerte akzeptieren und leben, ist es absolut wichtig, dass Sie definieren, was Sie und Ihr Unternehmen überhaupt unter dem Begriff Arbeitgebermarke verstehen. Dafür ist es nötig, dass Sie Ihre Identität finden. Denn eine starke Identität ist die Basis, damit Ihre Mitarbeiter und potenziellen Bewerber die Strahlkraft Ihres Betriebs überhaupt wahrnehmen.

Mit anderen Worten: Damit Ihr Unternehmen der tollste Hecht im Karpfenteich ist, müssen Sie ganz genau definieren, was Sie von anderen Arbeitgebern unterscheidet. Überlegen Sie, wodurch Sie eine starke Identifikation Ihrer Mitarbeiter mit dem Unternehmen begünstigen können. Fragen Sie sich, was Ihr Unternehmen außergewöhnlich macht, welche Mehrwerte Sie Ihren Angestellten bieten und warum Sie mit Ihren Arbeitskonditionen nicht anders können, als sich wohlzufühlen.

„Wenn ein Unternehmen keine Strahlkraft hat, ist es egal, was in seiner Stellenanzeige steht.“

Über Basics diskutieren? Das ist der Anfang vom Ende

Wie sieht es mit einer technisch vernünftigen Arbeitsplatzausstattung aus? Gibt es flexible Arbeitszeitmodelle? Und was ist mit Weiterbildung? Ach du Schande! Wenn Bewerber Ihnen in Vorstellungsgesprächen solche Fragen stellen, haben Sie echt was falsch gemacht. Über Basics wie diese zu diskutieren, ist nämlich leider der Anfang vom Ende einer starken Arbeitgebermarke. In einem modernen Unternehmen sollten die Hygienefaktoren ohne Diskussion stehen und sich stetig weiterentwickeln – und zwar abhängig von den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter und relevanter Bewerber.

Wussten Sie übrigens, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Größe einer Stellenanzeige und der Angst, keine Talente zu finden? Große Klappe, nichts dahinter, könnten man auch sagen. Denn je aufwendiger eine Anzeige gestaltet ist, umso winziger ist meist die Arbeitgebermarke, die das Unternehmen hat. Sie finden, ein kleiner Bluff schadet keinem? Doch, und zwar Ihnen! Denn die neuen Generationen Y und Z lassen sich nicht mehr täuschen. Und spätestens beim Vorstellungsgespräch bricht die Fassade der super coolen Stellenanzeige zusammen.

Best Practices: So gewinnen Sie auch als kleines Unternehmen Talente für sich

Sie wissen nun, was eine starke Arbeitgebermarke ausmacht und was Sie nicht tun sollten, um diese aufzubauen. Jetzt geht es darum, herauszufinden, was Ihnen beim Aufbau einer Arbeitgebermarke mit Strahlkraft wirklich hilft. Die folgenden zwei Best Practices zweier kleiner (!!) Unternehmen zeigen, wie es geht.

Best Practice Nummer eins ist ein Baustoffhandel im Norden Deutschlands mit einer echt starken Arbeitgebermarke. In dem familiengeführten Unternehmen erhält jeder Mitarbeiter mit mindestens zehn Jahren Betriebszugehörigkeit an seinem letzten Arbeitstag ein Abschiedsritual in den Ruhestand. Eine Kolonne aus Firmen-LKWs fährt mit wildem Gehupe zum Wohnort des Mitarbeiters und chauffiert ihn an diesem besonderen Tag persönlich zur Firma. Dort stehen alle, vom Azubi bis zum Chef, Spalier und geleiten den Mitarbeiter an seinen Arbeitsplatz. Da ist der Dramafaktor auf Anschlag!

„Rituale und positives Drama machen das Alltägliche heilig.“

Mit diesem emotionalen Ritual stärkt das Unternehmen seine Arbeitgebermarke extrem. Denn alle beteiligten Mitarbeiter fühlen die Wertschätzung und den Respekt, die dieses würdevolle Abschiedsritual erzeugt. Nicht gekünstelt, gekrampft oder erzwungen. Dazu kommt, dass jeder Mitarbeiter während seiner Betriebszugehörigkeit mehrere dieser magischen Momente erlebt und weiß: So wird es auch bei mir einmal sein.

Wer sich positiv zeigt, bekommt positives Feedback

Best Practice Nummer zwei ist ein kleiner Friseurbetrieb mit „nur“ sieben Mitarbeitern. Hier setzt die Chefin auf ganz besondere Maßnahmen, um vor allem junge Frauen von ihrer Arbeitgebermarke zu begeistern: Immer, wenn eine Mitarbeiterin in Mutterschutz geht, findet ein besonderes Happening statt. Alle aus dem Team schreiben ihre Wünsche für die werdende Mutter auf einen Wunschzettel und hängen diese an Luftballons. Dann werden die Wünsche fliegen gelassen und es gibt ein kleines Freudenfest. Und für die Rückkehr nach der Erziehungszeit stellen flexible Arbeitszeitmodelle mit individuellen Lösungen eine Zukunftsperspektive für die Arbeitnehmerin dar.

Hinzu kommen viele weitere kleine Gesten, wie der Feierabend-Sekt für die Samstagsschicht, der wöchentliche Obstkorb oder der Massage-Gutschein zum Geburtstag. Sie kommen von Herzen, sind fest in der Kultur verankert und passen zum Unternehmen. Übrigens: Die Chefin hat kein Problem damit, Fachkräfte in der Region zu finden – während die Konkurrenz sich immer schwerer tut, überhaupt noch Fachkräfte zu bekommen.

Die Mischung macht’s

Stabile Basics, echte Motivatoren und ein Mix aus passenden Ritualen sollten also fest mit in der Arbeitgebermarke verankert sein – für Mitarbeiter, die sich wirklich zu 100 Prozent in ihrem Job wohlfühlen und gerne zur Arbeit gehen.

Arbeitgebermarke
0 Kommentare / von Thomas Pütter
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