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Der Rahmen hätte passender nicht sein können: Unter der Überschrift „Roh. Gar. Zerkocht. Wem schmeckt mein Unternehmen (noch)?“ veranstalteten die IHKn Chemnitz, Halle-Dessau sowie Leipzig auf der Fachmesse ISS GUT Anfang November 2017 in Leipzig einen Seminartag für Unternehmer des Gastgewerbes und anderer kundenorientierter Branchen.

Businesscoach und Unternehmensberater Thomas Pütter, ein gelernter Hotelfachmann, der einst das Nells Park Hotel Trier zu einem bundesweiten Leuchtturm der Branche entwickelt sowie Umsatz und Gewinn vervierfacht hatte, vermittelte erfrischend pragmatische und alltagstaugliche Tipps, wie Betriebe die Herausforderungen der Gegenwart stemmen und sich zukunftssicher aufstellen können.

Es kommt auf den Unternehmer an.

„Es gibt nicht die eine große, allumfassende Lösung oder Weisheit – vielmehr ist es der Weg der vielen kleinen Schritte“, verdeutlichte der Experte den rund 120 teilnehmenden Unternehmern hauptsächlich aus der Gastronomie- und Beherbergungsbranche. Thomas Pütter räumte auch gleich mit einem weit verbreiteten Mythos auf: Sprüche wie „Wir sind nur 15 Leute, wir brauchen kein Organigramm“ seien grundfalsch. „Gerade kleine Betriebe sind besonders gefährdet. Deren Chefs sind oftmals durch Nachfolge und nur notdürftig vorbereitet zu Unternehmern geworden und stecken vielfach noch sehr stark in der Rolle als Fachkraft fest, ,flüchten’ sich geradezu in die operative Hektik und arbeiten viel zu wenig am statt im Unternehmen“, unterstrich der Referent. „Zugespitzt formuliert: Wenn die Erkenntnis und das Bewusstsein dafür da sind, dass die größte Gefahr für das Unternehmen vom Unternehmer selbst, von seinem Tun und erst recht von seinem Unterlassen ausgeht, sind wir schon einen Riesenschritt weiter.“

Gedankliche Arbeit kostet kein Geld

Dabei hat der Berater die Spezifika der Branche absolut klar im Blick: „Im Gastgewerbe mit seinen tendenziell eher niedrigen Margen ist für Digitalisierung oder externe Beratung sicherlich weniger Geld in der ‚Kriegskasse‘ als anderswo – gleichwohl sollten sich Unternehmer auch nicht hinter dieser Problematik verstecken“, betonte Pütter. Denn: „Viele Dinge, die von der Priorität her gleichfalls ganz vorn stehen, lassen sich auch ohne Geld bewerkstelligen – etwa die strikte Selbstverpflichtung des Unternehmers, jede Woche aufs Neue zwei oder besser wenigstens vier Stunden in intensive gedankliche Arbeit zu Organigramm, Verantwortlichkeiten, Strukturen oder Mitarbeiterführung zu investieren. Und aus der damit oft bereits verbundenen Produktivitätssteigerung ergibt sich dann der nächste Schritt – wichtig ist vor allem, überhaupt erst einmal loszugehen!“

Konkrete Handreichungen

Der Experte beließ es freilich nicht bei solchen eher allgemeinen Empfehlungen, sondern gab ganz greifbare Handreichungen für deren konkrete Umsetzung im Alltagsgeschäft. „Auch wenn in Zeiten des Fachkräftemangels viele dazu neigen, keinem Angestellten wehzutun, brauchen Sie vom Grundsatz her eine Hierarchie und klare Kommunikationswege – kurzum: ein Organigramm.

 

Mitarbeiter mehr einbinden

„Setzen Sie diesen Prozess der Mitarbeitermitwirkung auch bei Ihrer Jahreszielplan-Tagung in Gang. Brechen Sie Ihre Ziele für Umsatz beziehungsweise verkaufte Übernachtungen oder Essen ganz konkret auf die einzelnen Monate runter – und Ihre Leute werden praktisch zwangsläufig Ideen entwickeln, wie sie etwaigen zu erwartenden Auslastungsdellen kreativ begegnen können – durch besondere kulinarische Themenwochen beispielsweise“, hob Pütter hervor. „Dieses Sich-Einbringen-Können wollen und brauchen Ihre Mitarbeiter – erst recht diejenigen aus der sogenannten Generation Y der Geburtsjahrgänge 1980 bis 2000: Diese streben in besonderer Weise nach Sinnerfüllung und Selbstverwirklichung – und werden im Jahr 2020 rund 50 Prozent aller Beschäftigten stellen. Denken Sie also neu!“, appellierte der Coach ans Publikum.

ANDREAS LÖFFLER


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